Die neue Arnold-Freymuth-Schule in Hamm-Herringen als Zukunftscampus
Ein Beispiel für gelungene Schulbauplanung mit Weitblick: Der Campus der Arnold-Freymuth-Schule in Hamm-Heringen verbindet Architektur, Pädagogik und Stadtgesellschaft miteinander

Wenn Bildungsfragen zur Stadtentwicklung werden, sind neue Antworten gefragt. In vielen Kommunen rücken Schulneubauten längst über die Funktion als reine Lernorte hinaus. Sie werden zu Ankern im Quartier, zu öffentlichen Räumen, zu Begegnungszentren. Genau dieses Potenzial greift ein ambitioniertes Projekt in Hamm-Herringen auf: die neue Arnold-Freymuth-Schule.
Vom Wettbewerb zur Quartiersmitte
Bereits im 2018 ausgelobten Realisierungswettbewerb lag der Fokus auf einer städtebaulichen Strategie, die über das Schulgelände hinausdenkt. Der Entwurf von Schmidt Plöcker Architekten setzte sich durch, weil er Beziehungen schuf – zwischen Alt und Neu, Innen und Außen, Lernen und Leben. Im Zentrum der Planung: ein Campusplatz, gedacht als Herz der Schulgemeinschaft. Er verbindet die verschiedenen Baukörper und bildet eine Mitte mit Aufenthaltsqualität und Orientierung.
Die Anlage umrahmt das denkmalgeschützte Bestandsgebäude aus dem Jahr 1912, das bewusst erhalten und funktional eingebunden wurde. Durch die Setzung der Neubauten entsteht ein räumlich gefasster, offener Bildungsraum, der historisch gewachsene Strukturen aufnimmt und zugleich neue Identität stiftet.

Lernräume mit Haltung
Die pädagogischen Anforderungen an eine zeitgemäße Schule spiegeln sich konsequent in der architektonischen Gestaltung wider: Die beiden Neubauten für die Sekundarstufen I und II stehen für ein offenes, flexibles und lebendiges Lernen. Großzügige Foyers, luftige Treppenhäuser, Rückzugsorte und Lerninseln rhythmisieren die Gebäude. Natürliches Licht, klare Wegeführung und eine ruhige Materialwahl aus Holz, Glas und warmen Klinkern prägen die Atmosphäre.
Das räumliche Konzept folgt dabei keiner didaktischen Mode, sondern bildet langfristige pädagogische Prinzipien ab: Selbstorganisation, Zusammenarbeit und individuelle Förderung brauchen Raum, der zugleich Struktur gibt und Freiraum lässt. Architektur wird hier zum Werkzeug des Lernens.


Mehr als ein Schulhof: Landschaft als Lernfeld
Auch der Außenraum wurde neu gedacht – als Teil des pädagogischen Gesamtkonzepts. Neben dem Campusplatz entstanden eine teilversenkte Sporthalle, ein großzügiger Sportpark mit Laufbahn, Soccerfeld, Kugelstoßanlage und Kletterwand sowie ein Schulgarten. Die Anlage fördert Bewegung, fördert Begegnung – und öffnet die Schule ins Quartier.
Die intensive Verzahnung von Innen und Außen, gebautem Raum und Natur ist mehr als Gestaltung – sie setzt ein pädagogisches Zeichen: Lernen endet nicht an der Klassenzimmertür. Der Schulhof wird zur erweiterten Lernlandschaft, der Garten zum Erfahrungsraum, der Sportpark zur Bühne gemeinsamer Aktivität.
Das Freiraumkonzept, entworfen von HKK Landschaftsarchitektur, bringt eine eigene Haltung ins Projekt ein: Statt klassischer Schulhofflächen ermöglicht ein vielschichtiger Außenraum Bewegung, Rückzug und Erkundung gleichermaßen. Die Kombination aus offenem Campusplatz, Sportpark, grünen Rückzugsorten und einem pädagogisch nutzbaren Schulgarten schafft eine atmosphärische Lernlandschaft mit hoher Aufenthaltsqualität. Dabei ist jeder Bereich so gestaltet, dass er unterschiedliche Bedürfnisse adressiert – vom informellen Austausch bis zur körperlichen Aktivität. Die Freianlagen fungieren als Pausen- und Bewegungsfläche und tragen aktiv zum sozialen Miteinander und zur Verankerung der Schule im Quartier bei.


Architektur als Beitrag zur Stadtentwicklung
Die neue Arnold-Freymuth-Schule ist eines der größten Bildungsbauprojekte der Stadt Hamm – und das erste in Nordrhein-Westfalen für Schmidt Plöcker Architekten. Der Bauprozess war herausfordernd: Er erfolgte während des laufenden Schulbetriebs, parallel zu Pandemie und geopolitischer Krise. Trotzdem wurde mit dem Projekt ein Zeichen gesetzt: für Bildungsarchitektur, die langfristig denkt, für Räume, die soziale Teilhabe ermöglichen und für eine Schule, die sich als Motor ihrer Umgebung versteht.
Die Wahl robuster Materialien, eine wirtschaftliche Planung und die Konzentration auf energieeffiziente Kompaktheit zielen auf Nachhaltigkeit im besten Wortsinn: Eine Schule, die wächst, ohne zu veralten. Ein Ensemble, das sich wandeln kann, ohne seinen Charakter zu verlieren.

Ein Ort mit Zukunft
Der Campus in Hamm-Herringen steht exemplarisch für eine Haltung im Bildungsbau, die sich nicht in Oberflächen erschöpft. Es geht um die programmatische Tiefe der Räume, um die Fähigkeit, Wandel aufzunehmen – und zugleich Verlässlichkeit zu bieten. Die Arnold-Freymuth-Schule spiegelt genau dieses Selbstverständnis wider. Als architektonische Antwort auf pädagogische Fragen. Als öffentlicher Ort im besten Sinn. Und als Einladung, Schule neu zu denken.
Bautafel
- Standort: Hamm-Herringen
- Fläche (BGF): ca. 7.500 m²
- Bauzeit: 2019–2024
- Wettbewerbsgewinn: 2018
- Architektur: Schmidt Plöcker Architekten, Frankfurt am Main
- Landschaftsarchitektur: HKK Landschaftsarchitektur, Frankfurt am Main
- Bauleitung: Weicken Architekten, Unna
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