WEtransFORM in Bonn: Ausstellung entwirft Visionen für nachhaltiges Bauen
Wie lässt sich Architektur ökologisch, sozial und zukunftsfähig denken? Die Ausstellung WEtransFORM in Bonn versammelt europäische Projekte, die genau daran arbeiten – und macht daraus ein begehbares Labor.

Betonwüsten im Sommer, überschwemmte Keller im Herbst – die Architektur der Vergangenheit wirkt vielerorts überfordert mit den Realitäten der Gegenwart. Während Städte ächzen unter Hitzewellen, Starkregen und Ressourcenknappheit, steigt der Druck, die gebaute Umwelt neu zu denken. Die Ausstellung WEtransFORM – Zur Zukunft des Bauens, eröffnet von der Bundeskunsthalle in Bonn, formuliert dazu einen dringenden Auftrag: Die Transformation muss nicht irgendwann beginnen. Sie hat längst begonnen.

Ausstellung als Denkraum für Baukultur
Bis Januar 2026 versammelt WEtransFORM rund 80 europäische Projekte, die sich dem Thema des nachhaltigen Bauens widmen. Mit einer klaren Botschaft: Die Suche nach Antworten verlangt keine allgemeingültige Formel, es braucht eine Vielzahl von Strategien, Herangehensweisen und räumlichen Experimenten. Kuratiert von Eva Kraus und Sven Sappelt, inszeniert die Ausstellung diese Diversität als lebendigen Diskurs – nicht als dogmatische Anleitung.
Die Bandbreite der Ansätze reicht von Lowtech-Lehmarchitektur wie bei Studio Anna Heringer bis zur Revitalisierung leerstehender Großbauten durch 51N4E oder Lacaton & Vassal. Neue Materialien, urbane Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Suffizienzdenken bilden die inhaltlichen Grundpfeiler. Und sie lassen sich nicht voneinander trennen: Sie greifen ineinander wie Teile eines ökologischen Systems, das nur dann funktioniert, wenn jedes Element mitgedacht wird.
Klimakrise als Gestaltungsauftrag
Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich dem Thema Klimaresilienz. Statt rein technischer Antworten stellt die Schau architektonische Szenarien vor, die auf zunehmende Extremwetterereignisse reagieren – etwa mit schwimmenden Gebäuden, Regenrückhalteflächen oder begrünten Verschattungsstrukturen. So etwa beim Floating Office Rotterdam von Powerhouse Company, beim Rambla Climate-House des spanischen Büros Andrés Jaque / Office for Political Innovation oder beim Glasner Haus im Ahrtal von Less Yellow. Diese Projekte setzen auf adaptive Lösungen, die in bestehende Stadtlandschaften eingreifen, ohne neue Schäden zu erzeugen.


Materialfragen als Systemfragen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Recycelte Ziegel, wiederverwendete Fensterrahmen, temporär gelagerte Materialien – WEtransFORM zeigt, wie Städte zu Rohstofflagern werden. Urban Mining, Cradle2Cradle-Prinzipien und modulare Rückbaukonzepte liefern neben ökologischen Argumenten auch neue ästhetische Kategorien.
Die Ausstellung versammelt hierzu unter anderem den People’s Pavilion von Overtreders W & bureau SLA, den UMAR Experimental Unit des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und den Hybrid Flachs Pavillon der Universität Stuttgart / Cluster of Excellence IntCDC. Sie alle eint der Versuch, Materialherkunft, Lebenszyklus und spätere Wiederverwendung von Anfang an mitzudenken – und sichtbar zu machen.


Bildung als Beteiligung
Im Zentrum der Ausstellung steht ein Verständnis von Architektur als gesellschaftliches Projekt. Bildung, Teilhabe und Selbstwirksamkeit werden als fundamentaler Bestandteil zukunftsfähiger Räume betrachtet. Workshops, partizipative Stadtlabore und ein umfangreiches Vermittlungsprogramm richten sich an Expertengruppen, aien, Schulklassen und Nachbarschaften gleichermaßen.
Mit Formaten wie Trash_Up, Kreativwerkstatt Mini Bau(m)haus oder Stadtlabor – Visionen der Zukunft wird deutlich: Nachhaltige Baukultur beginnt mit der Frage, wem gebauter Raum gehört – und wer an seiner Gestaltung beteiligt ist.


Ausstellungsgestaltung als Materialkreislauf
Für das räumliche Konzept wurde das Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam beauftragt. Statt auf aufwendige Neubauten zu setzen, arbeiteten sie fast ausschließlich mit vorhandenen Materialien der Bundeskunsthalle. Ausgediente Module, verbaute Podeste, bereits verwendete Strukturen – alles wurde neu arrangiert, verschraubt, verbunden. Ganz unter dem Motto: Architektur performt ihre eigenen Prinzipien.
Im Außenraum der Bundeskunsthalle erweitert sich dieser Ansatz um künstlerisch-gestalterische Positionen. Vert, eine begrünte Holzkonstruktion von AHEC, Diez Office und OMC°C, filtert Licht, fördert Biodiversität und dient gleichzeitig als Aufenthaltsort. Tree.ONE, eine Installation aus Algenbiomasse von ecoLogicStudio, steht als baumbildendes Zukunftssymbol im Foyer – zwischen Science-Fiction und Machbarkeit.


Ausstellungsdetails
- Titel: WEtransFORM – Zur Zukunft des Bauens
- Ort: Bundeskunsthalle Bonn, Museumsmeile, Bonn
- Laufzeit: 6. Juni 2025 bis 25. Januar 2026
- Kuratorenteam: Eva Kraus (Intendantin), Sven Sappelt
- Beratung: Martina Fineder, Angela Kesselring, Christa Liedtke, Mathieu Wellner
- Ausstellungsleitung: Susanne Annen
- Ausstellungsarchitektur: MVRDV (Rotterdam)
- Grafikdesign: Apsara Flury, Neja Stojnić, Teresa Papachristou
- Partner: New European Bauhaus, transform.NRW
- Website & Infos: www.bundeskunsthalle.de
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