Neue Schule – gebaut für Generationen

In Massy, 25 Kilometer südwestlich von Paris, entstand eine neue Sekundarschule für 800 Schülerinnen und Schüler, das Collège Claudine Hermann. Die Verzahnung des Neubaus mit dem umgebenden Grünraum sowie hohe Anforderungen an Energieeffizienz und ökologisches…

3. August 2026
© Hugo Hébrard, Paris / Sto SE & Co. KGaA

In Massy, 25 Kilometer südwestlich von Paris, entstand eine neue Sekundarschule für 800 Schülerinnen und Schüler, das Collège Claudine Hermann. Die Verzahnung des Neubaus mit dem umgebenden Grünraum sowie hohe Anforderungen an Energieeffizienz und ökologisches Bauen zeichnen das Projekt aus – es erfüllt den französischen Umweltstandard E3C1.

Die Schule grenzt an einen zum Teil denkmalgeschützten Park, daher wurde der große Flächenbedarf mit Rücksicht auf den Landschaftsraum als kompakter, dreigeschossiger Bau umgesetzt. Zwei bestehende Gebäude wurden energetisch ertüchtigt (Passivhaus EnerPHit) und in das Projekt eingebunden. Sie bieten Platz für ein Auditorium und Mitarbeiterwohnungen. Die U-förmige Anordnung der Gebäudeflügel des Neubaus reagiert auf den Kontext. Zur Straße bildet der Bau eine gerade Kante, während die seitlichen Flügel in das Parkgelände leiten und eine alte Zeder in den Mittelpunkt des Pausenhofs stellen.

© Hugo Hébrard, Paris / Sto SE & Co. KGaA

Präzise Rundungen

Der Bau ist in einen eingeschossigen, massiven Sockel aus gefärbtem Sichtbeton sowie zwei aufgesetzte Obergeschosse in Holzrahmenbauweise geteilt. Die gestaffelte Bauweise löst das große Bauvolumen in einzelne Schichten auf, die sich in das Hanggrundstück einbetten. Für die Obergeschosse wurde eine warmweiße Putzoberfläche mit feinkörniger Textur verwendet. Auffälliges Detail sind die gerundeten Ecken, die sanft die einzelnen Winkel der U-förmigen Kubatur umspielen. „Eine Facettierung der Fassade war nicht denkbar. Wir brauchten also dieses Material, das uns eine Kontinuität ohne Fugen, ohne Materialunterbrechungen ermöglicht“, erklärt Paul Pressensé vom Planungsbüro Ameller Dubois. Dank der sorgfältigen Arbeit des ausführenden Fachhandwerkers (Artib aus Limeil-Brévannes) wurden die gerundeten Außen- und Innenecken so präzise ausgeführt, dass auch Streiflicht nicht negativ auffällt, sondern gleichmäßig über die glatte Putzoberfläche fällt.

Viel Tageslicht

Lange Fensterbänder und schmale Metallkanten gliedern die Fassade und betonen die horizontale Schichtung. Der hohe Glasanteil unterstützt den Eindruck von Leichtigkeit und Offenheit. Die Fenster lassen viel Tageslicht in Klassenräume, Mensa und Sporthalle und erlauben Ausblicke in den Grünraum. Die ockerfarben abgesetzten Metallkanten formen eine elegante Attika-Linie und ziehen sich um das Gebäude. Für die Attika war ein Überstand von mindestens 50 mm notwendig, für alle anderen Kanten von mindestens 25 mm, um die Putzoberfläche vor ablaufendem Regenwasser zu schützen. Die Fensteröffnungen sind in der Fassade weit zurückgesetzt. Metallene Laibungen – in Farbe und Proportion an die anderen Metallverkleidungen angepasst – rahmen den Fenstersturz.

© Hugo Hébrard, Paris / Sto SE & Co. KGaA

Strenge Anforderungen

Die Ausfachung der in Holzbauweise errichteten Obergeschosse erfolgte mit Mineralwolle als Dämmstoff. Eine zweite vollflächige Dämmstoffschicht auf den Holzrahmen dient als Trägermaterial für die helle Putzoberfläche. Der gesamte Wandaufbau erreicht einen Wärmedurchlasskoeffizienten von 0,15 W/m2K und leistet damit einen großen Beitrag zur sehr guten energetischen Bewertung des Baus. „Das Gebäude wurde nach den strengen Umweltstandards E3C1 entworfen, die einen extrem niedrigen Energieverbrauch und eine äußerst kontrollierte CO2-Bilanz garantieren“ betonen Stéphan Védrenne und Paul Pressensé von Ameller Dubois.

Da es sich um ein öffentliches Gebäude handelt, waren beim Bau zudem hohe Anforderungen an den Brandschutz zu beachten. Die tragende Holzstruktur musste vollständig mit nichtbrennbaren Materialien umhüllt werden, um die Tragfähigkeit der Konstruktion im Brandfall zu gewährleisten. Nach außen sichert dies die zusätzliche Dämmebene aus 60 Millimeter dicker Steinwolle, innenseitig wurden hochbeständige Gipsplatten (BA18) verwendet.

Hohe Effizienz

Die umfassende ökologische Ausrichtung des Projekts umfasst neben dem Einsatz einer Konstruktion aus nachwachsenden Rohstoffen und dem guten Dämmstandard auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Passive Strategien wie Sonnenschutzelemente verhindern solare Wärmeinträge. Regenwasser wird gesammelt und im Gebäudebetrieb genutzt. Mit diesem Konzept wurden mehrere Zertifizierungen für einen energieeffizienten und bauökologisch anspruchsvollen Bau erreicht, der den Standard herkömmlicher Schulbauten übertrifft.

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