Europas größter Holzmodul-Campus: Die neue Zollhochschule in Rostock

Mit der neuen Zollhochschule in Rostock-Lichtenhagen ist ein Hochschulcampus entstanden, der gleich mehrere Maßstäbe setzt. Das von Sauerbruch Hutton entworfene Ensemble verbindet nachhaltige Holzbauweise, modulare Fertigung und eine moderne Lernumgebung zu einem zukunftsweisenden Bildungsstandort. Gleichzeitig…

17. August 2026
© Jan Bitter / via: Baunetz.de

Mit der neuen Zollhochschule in Rostock-Lichtenhagen ist ein Hochschulcampus entstanden, der gleich mehrere Maßstäbe setzt. Das von Sauerbruch Hutton entworfene Ensemble verbindet nachhaltige Holzbauweise, modulare Fertigung und eine moderne Lernumgebung zu einem zukunftsweisenden Bildungsstandort. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie öffentliche Bauvorhaben durch innovative Planungs- und Bauprozesse innerhalb kurzer Zeit realisiert werden können.

© Jan Bitter / via: Baunetz.de

Ein neuer Campus für die Ausbildung des Zolls

Der neue Campus der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung erweitert die Ausbildungskapazitäten des deutschen Zolls erheblich. Bis zu 600 Studierende können hier künftig den gehobenen Zolldienst absolvieren. Damit ergänzt der Standort Rostock den bisherigen Campus in Münster und reagiert auf den steigenden Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften.

Das Campusgelände vereint Lehre, Wohnen und Freizeit auf engem Raum. Herzstück ist ein viergeschossiges Lehrgebäude mit Hörsälen, Seminarräumen, Bibliothek und Mensa. Ergänzt wird es durch zwei Wohngebäude, die den Studierenden moderne Einzelapartments sowie gemeinschaftlich nutzbare Aufenthaltsbereiche bieten. Zwischen den Gebäuden schaffen großzügige Grünflächen, Wege und Aufenthaltsorte eine offene Campusatmosphäre, die den Austausch fördert und gleichzeitig den Stadtteil einbindet.

Der Entwurf verfolgt das Ziel, eine funktionale Bildungseinrichtung mit hoher Aufenthaltsqualität zu verbinden. Transparente Fassaden, klar gegliederte Baukörper und eine sorgfältig gestaltete Freiraumplanung prägen das Erscheinungsbild des neuen Hochschulstandorts.

© Jan Bitter / via: Baunetz.de

Holzmodulbau als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Besonders bemerkenswert ist die Bauweise des Projekts. Der Campus gilt als das größte Holzmodulbauprojekt Europas. Während Untergeschoss, Erdgeschoss und die Erschließungskerne überwiegend in Stahlbeton ausgeführt wurden, bestehen die oberen Geschosse aus rund 1.000 industriell vorgefertigten Holzmodulen.

Die modulare Bauweise brachte gleich mehrere Vorteile mit sich. Ein Großteil der Elemente wurde bereits im Werk inklusive Innenausbau, Haustechnik und Oberflächen vorgefertigt. Dadurch konnten viele Arbeitsschritte parallel stattfinden, wodurch sich die Bauzeit deutlich verkürzte. Gleichzeitig reduzierte die Vorfertigung Materialverluste und ermöglichte eine hohe Ausführungsqualität.

Auch ökologisch setzt das Projekt neue Maßstäbe. Holz speichert langfristig Kohlendioxid und weist gegenüber konventionellen Baustoffen eine deutlich günstigere Klimabilanz auf. Ergänzt wird das Nachhaltigkeitskonzept durch Photovoltaikanlagen, begrünte Dachflächen sowie energieeffiziente Gebäudetechnik. Das Ergebnis ist ein Hochschulcampus, der ressourcenschonendes Bauen mit zeitgemäßer Architektur verbindet.

© Jan Bitter / via: Baunetz.de

Architektur zwischen Funktionalität und Identität

Mit der Planung verfolgte das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton einen Ansatz, der weit über die reine Funktionalität hinausgeht. Die Gebäude sind klar strukturiert und dennoch lebendig gestaltet. Farbige Fassadenelemente, großzügige Fensterflächen und gut proportionierte Freiräume schaffen eine freundliche Lernumgebung und verleihen dem Campus eine eigenständige Identität.

Die Architektur fördert Begegnungen und Kommunikation. Kurze Wege zwischen Unterrichtsräumen, Wohngebäuden und Gemeinschaftsflächen erleichtern den Alltag der Studierenden und stärken das Campusleben. Gleichzeitig fügt sich das Ensemble harmonisch in seine Umgebung ein und öffnet sich mit öffentlichen Grünbereichen zum Stadtteil.

Die Zollhochschule in Rostock zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial im modernen Holzmodulbau steckt. Sie verbindet nachhaltige Bauweisen mit hoher architektonischer Qualität und beweist, dass auch große öffentliche Bauprojekte effizient umgesetzt werden können. Damit ist der Campus nicht nur ein neuer Ausbildungsstandort für den Zoll, sondern zugleich ein beispielhaftes Projekt für die Zukunft des öffentlichen Bauens in Deutschland.

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